Wenn der Stoffwechsel aus der Bahn gerät - TEIL II

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich dir erklärt, welchen wichtigen Einfluss Stresshormone auf unseren Körper haben.

Regelmäßig Dopamin zu erzeugen ist - wie du jetzt weißt - ein entscheidendes Werkzeug um abzunehmen. 

Ich möchte in diesem Artikel noch ein Stück weitergehen und dir zeigen, wie du die Macht der Stresshormone für deine persönlichen Zwecke außerdem nutzen kannst.

Jeder von uns kennt es: man hat Hoch- und Tiefphasen was die persönliche Motivation im Sport und beim Essen angeht. 

Manchmal kann man sich relativ leicht dazu aufraffen, nach der Arbeit noch seine Sportsachen zu packen - dann wiederum ist selbst der Gedanke daran ein einziges Frustrationserlebnis. 

In manchen Wochen hat man keinerlei Gelüste nach Süßigkeiten und genießt diese "Freiheit" - schon eine Woche später schreit der kleine Teufel auf der Schulter schon zum Frühstück nach einem Zuckerschock. 

Es gibt Tage in denen Essen die totale Nebensache ist weil man sich stundenlang im Arbeitsflow befindet und total die Zeit vergisst und es gibt solche, an denen man schon vor dem Mittagessen bereits 14 mal auf die Uhr gesehen hat und die Zeit nur mit Kaffeeholen und Zwischensnacks überbrücken möchte.

 

Ich denke das ist menschlich und wir alle sollten uns damit abfinden, dass diese Phasen zum Leben dazugehören.

Unser Gehirn programmiert uns mehr oder weniger unbewusst auf bestimmte Muster um und ist damit letztendlich für diese Schwankungen verantwortlich. Die gute Nachricht: auf dieses unbewusste Programmieren können wir Einfluss nehmen.

Ich möchte dir eine Geschichte einer Kundin erzählen, die sehr gut deutlich macht wie unser Gehirn tickt.

 

Diese Kundin hat eine relativ normale Figur und kämpft mit den üblichen weiblichen Problemzonen: etwas zu viel Hüftgold und etwas zu starke Oberschenkel inklusive Dellenlandschaft. Zu ihrem Wohlfühlgewicht fehlten ihr knappe zehn Kilo und sie hatte in ihrem Leben nie allzu viel für Sport über. Sport machte ihr einfach keinen Spaß und sie konnte - wie im Übrigen viele andere Menschen auch - nie nachvollziehen wie manche Leute sich dazu aufraffen können, jeden Morgen Joggen zu gehen. Sie hatte bereits viele Diäten und Sportprogramme ausprobiert und immer nach überschaubarer Zeit abgebrochen. Sport fiel ihr immer schwer und sie war so lange sie denken konnte bereits nach wenigen Minuten in den Turnschuhen ziemlich fertig. 

Mir war von Anfang an klar, dass es für diese Dame nicht der richtige Weg wäre, sie einmal mehr zum "normalen" Trainingsstart zu motivieren. Es würde sie nur unter Druck setzen und auf kurz oder lang zu einem erneuten frustrierten Abbruch führen. Wir unterhielten uns und einigten uns auf folgende Abmachung: 

Sie muss jede Woche einen "perfekten" Tag festlegen.

Ein perfekter Tag beinhaltet eine gesunde Ernährung ohne Fleisch, Fisch und Süßigkeiten, ein Bewegungspensum von 60 Minuten und eine kurze Gymnastikeinheit. 

Ein einziger Tag von sieben, mehr nicht. Das motivierte Sie. Da sie bereits seit ihrem Jugendalter mit den Figurproblemen kämpfte, waren wir uns darüber einig es diesmal langsam angehen lassen zu können und eine gemeinsame nachhaltige Lösung zu finden, auch wenn es ein paar Wochen oder Monate länger dauert mit dem Abnehmen.

Der perfekte Tag fiel ihr natürlich nicht leicht, aber die Aussicht den Rest der Woche normal essen zu können, ließ sie durchhalten. Was jetzt im Gehirn passiert ist offensichtlich: GLÜCKSHORMONE werden gebildet. Es wurde ein persönliches Erfolgserlebnis auf diesem hartumkämpften Territorium erreicht!

Bisher war ihre glibbrige Denkmasse nur auf folgendes Szenario konditioniert:

 

Ich fühle mich unwohl. Ich muss was ändern (Druck wird aufgebaut, Stresshormone werden erzeugt). Ich muss etwas tun, was keinerlei Spaß macht. Ich muss es sehr lange tun, ich habe ja auch sehr viele Problemzonen (Druck wird erhöht, Stresshormone vermehren sich weiterhin). Ich überwinde mich eine Woche lang jeden Tag zur Einhaltung meiner Diätregeln und mache Sport (weder das Essen noch die Ausführung von Sport sorgen für Glückshormone). Nach 1,2,3 oder 4 Wochen wird das vorhaben wiedereinmal ad acta gelegt. Abschließend verfestigt sich folgender Glaubenssatz: Sport und gesunde Ernährung ist einfach nichts für mich, ich werde immer zu dick bleiben. Zudem bleibt eine gehörige Portion an Frust inklusive den damit verbundenen Stresshormonen hängen.

 

Jetzt sieht die Situation für sie ein allererstes mal anders aus: ein Experte (in diesem Fall ich) sagt ihr es würde reichen, nur einen einzigen perfekten Tag pro Woche zu organisieren (ich weiß natürlich insgeheim, dass das zu wenig ist, doch warte ab).

Diese Ausgangssituation wurde unser Fundament. Sie konnte zum ersten mal in ihrem Leben das Vorhaben Abnehmen mit etwas Positivem assoziieren. Was am Tag nach dem perfekten Tag passierte, war nämlich folgendes:

Sie holte nicht etwa alles nach, was sie am Tag zuvor "versäumt" hatte, sie machte es besser. Und zwar aus eigenem Antrieb heraus.

Sie sagte sich: der perfekte Tag hat so gut funkioniert und ich freue mich daran, heute will ich ich mir zwar was gönnen, jedoch an dieses gute Gefühl der Leichtigkeit im Magen anknüpfen. Außerdem hat die Bewegung mich gestern voll aus meinem Mittagstief herausgeholt, ich drehe heute zwar eine kleinere Runde, aber ich will mich bewegen.

Und damit war die Lawine losgetreten.

Der Terminus "eingeschlafener Stoffwechsel" ist meist nicht mehr als ein "frustriertes Verhältnis zu den positiven Seiten von Sport und einer ausgewogenen Ernährung".

In dem Moment, indem das Gehirn eine negative Frusterfahrung durch eine selbst erschaffene positive Erfahrung austauscht, werden die Karten neu gegeben.

Bisher war das vermeindlich erstrebenswerte Ziel 5 Kilo abzunehmen ausschließlich mit Negativerlebnissen gekoppelt. Jetzt erlebt sie zum ersten mal, was die anderen mit den positiven Seiten eines gesunden Lebensstils gemeint hatten.

Sich angenehm gesättigt und leicht statt sich überfressen und müde zu fühlen und das ohne strengste Regeln befolgen zu müssen. Sich durch einen Spaziergang mit Sauerstoff zu überfluten und anschließend nicht müde zu sein, statt den täglichen Zwangs-Sport nur um ein paar Kalorien wegzuarbeiten. Jetzt wurde es für sie endlich greifbar und konkret.

Es gab natürlich Wochen in denen es ihr wieder schwerer fiel und in denen sie mit Rückschlägen zu kämpfen hatte. Sie hat immernoch keinen Top-Körper, aber Sie hat heute ihr persönliches Wohlfühlgewicht erreicht und viel wichtiger: für sie ist es heute normal, sich im Großen und Ganzen ausgewogen zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen. Sie isst immernoch gern Süßigkeiten, aber die Menge passt. Sie hasst joggen immernoch, aber sie schöpft aus den Spaziergängen Energie für ihren Tag und sie freut sich auf die Bewegung.

Das ist es, was ich mit Umprogrammierung meine. Du musst es schaffen, deine Vorhaben zu routinieren nicht mit Stress, sondern mit Glückshormonen zu koppeln. Egal wie klein dein erster Schritt ausfällt, sobald dein Gehirn dein Vorhaben nicht als eine frustrierende Pflichtveranstaltung einbucht, bist du auf dem richtigen Weg.

Für den Anfang reicht schon eine Routine von zehn Minuten am Tag. Dies kann ausreichen, um auch deine Lawine ins Rollen zu bringen und dein Gehirn darauf umzupolen, mehr von der Droge Sport zu wollen.

 

Viel Erfolg und alles Gute.

 

 

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