Wenn Sport überfordert und dem Körper schadet

Ausreichend Bewegung und regelmäßiger Sport ist gesund. Es gibt unzählige Studien die dies belegen und sämtliche Gesundheitsorganisationen empfehlen dem gesunden Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts ein ausgeprägtes Sportpensum.

In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, wann körperliche Aktivität schaden oder gar krank machen kann und wie man eine falsche Herangehensweise erkennt und zielgerichtet ändert.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Schneller, höher und weiter lauten unsere Maxime. Die Berufswelt ändert sich ständig und entwickelt sich in rasender Geschwindigkeit weiter. Diese Geschwindigkeit liegt um ein Vielfaches über der von noch vor 20 Jahren und wird sich auch weiterhin erhöhen. Technische Innovationen ermöglichen uns effizientes Arbeiten par excellence: wir können von überall agieren, können Abläufe optimieren und skalieren und sind dazu angehalten unseren Wirkungsgrad permanent zu erhöhen.

Märkte sind für jeden transparent und wir alle haben jeden Tag tausende von Entscheidungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir stehen dauernd unter Druck und müssen Zahlen und Ergebnisse optimieren um im Markt bestehen zu können.

Auf der einen Seite hat sich unsere Volkswirtschaft dadurch natürlich phänomenal entwickelt. Auf der anderen Seite wirkt sich diese Geschwindikeit negativ auf die physische und psychische Gesundheit der Mitglieder unser Volkswirtschaft aus. Um das zu belegen muss man sich nur die Entwicklung der Burn-out Fälle und die der Rückenleidenden ansehen.

Sport ist für viele Berufstätige (oder auch familiär eingebundene Menschen) ein Ventil um sich auszupowern und den "Kopf frei zu bekommen". Es ist wissenschaftlich belegt, dass sportliche Aktivität schon nach kurzer Zeit Glückshormone erzeugt und somit nicht nur positive Auswirkungen für den Körper, sondern auch für den Geist mit sich bringt.

Dass jemand, der vor lauter Arbeitsstress keine Zeit mehr für Sport findet und seine Ernährung schleifen lässt, auf kurz oder lang Schwierigkeiten bekommt, liegt auf der Hand.

Doch auch diejenigen, die auf Sport zum Ausgleich setzen, sind nicht aus dem Schneider.

Im Zeitalter des Burnouts, in dem eine gewisse psychische Überbeanspruchung im Berufsalltag zum guten Ton gehört, muss man natürlich präventiv tätig werden. Logische Konsequenz: um im Job nicht psychisch auszubrennen, feuere ich nach Feierabend im Sportunterricht nochmal aus allen Rohren und ermüde meinen Körper auch noch auf physischer Ebene.

Je anstrengender das Training, desto weiter rücken die Gedanken an all die beruflichen Baustellen in den Hintergrund - dem lieben Sympathikus sei Dank. Die Glückshormone wurden ausgeschüttet, nun ist doch soweit alles in Ordnung könnte man meinen.

Doch hier liegt aus meiner Sicht genau das Problem.

Wie man am Terminus "Burnout" unschwer erkennen kann, brennt der Betroffene aus. Der andauernde Druck und die hunderprozentige persönliche Leistungsbereitschaft zollen ihren Tribut und das Gehirn zwingt unseren Organismus zu einer Pause.

Unser Körper braucht nach einer psychisch anstrengenden Beanspruchung etwas, das seine Akkus wieder auflädt und ihm neue Energie zur Verfügung stellt! Fordern wir ihn nach jeder psychischen auch noch eine physische Beanspruchung, wird uns das zwar auf kurze Sicht ablenken, auf lange Sicht brennen wir jedoch nur noch weiter aus.

Wenn du nach einem zehn Stunden Tag also aus dem Büro hetzt um gerade noch pünktlich im "PowerBoxingAfterWorkKurs" zu erscheinen, in dem du dir dann 90 Minuten die Lunge aus dem Hals hustest, ist deine Eigenmotivation zwar beachtlich, du tust dir aber keinen Gefallen. Du magst dein Gewissen beruhigen und nach dem Sport gut schlafen können - du beanspruchst deinen Körper aber nur noch mehr.

Genauso ist es bei jedem Ausdauertraining. Der fordernde Spinningkurs, der überpacte Dauerlauf im Park oder die anstrengende Bahnen-Schwimm-Session vor der Arbeit mögen grundsätzlich gesund sein - einen gestressten Menschen stressen sie nur noch mehr.

Wenn du dich bei diesen Zeilen wiedererkennst, habe ich ein paar Tipps für dich:

Gesundheitsorientieres Ausdauertraining ist nur so anstrengend, dass du IMMER durch die Nase atmen kannst.

Nach der sportlichen Beanspruchung solltest du dich direkt wieder gut und bei Kräften fühlen. Wenn du dich nach dem Training nicht auf den Beinen halten kannst und eine Sitz- oder Liegepause brauchst, war es zu viel.

Du solltest ein Training auswählen, bei dem der Trainer auf eine gezielte Atmung eingeht. Dies entspannt und gibt deinem Körper Kraft.

Dein Training sollte Dehnübungen beinhalten. Dehnen nimmt der Muskulatur Spannung und entspannt dich demnach.

Dein Sportprogramm sollte nach Möglichkeit viele Sinne ansprechen und den ganzen Körper, sowie das Gehirn fordern. Mach nicht immer dasselbe und versuche regelmäßig neue Bewegungsabläufe zu lernen bzw. wähle ungewohnte Übungen / Sportarten aus.

Du brauchst frische Luft und Sonne. Stelle sicher, dass dein Körper jeden Tag Bewegung im Freien bekommt.

 

 

 

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