Mikroplastik: ein akutes Problem für unser endokrines System

EDCs: Endokrine Disruptoren als Ursache

Schon vor einigen Wochen wurde auf dieser Webseite ein Artikel über die Folgen von hormonellen Veränderungen in der heutigen Gesellschaft veröffentlicht.

Es ging dabei um die Beobachtung, dass der Testosteronspiegel der Männer in den letzten 50 Jahren im Durchschnitt drastisch gefallen ist.

Interessanterweise ist auch die durchschnittliche Anzahl von Spermien um 50 % gefallen.

Vorab: Es geht hier nicht darum, die Gesundheit von Männern in den Vordergrund zu stellen. Frauen sind von Umweltgiften keineswegs weniger betroffen – oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Der Grund für diesen Fokus ist reine Datenqualität: Spermien und Testosteronspiegel lassen sich schlichtweg viel einfacher messen und historisch konsistenter vergleichen. Wenn die männlichen Metriken derart in den Keller stürzen, ist das der mathematisch greifbarste Beweis dafür, dass unsere moderne Umwelt für das menschliche Hormonsystem toxischer geworden ist. Und dieser toxische Beschuss trifft Frauen und Männer gleichermaßen

Die Spermienzahlen haben sich halbiert
Die Spermienzahlen haben sich halbiert

Sinkende Spermienzahlen bedeuten eine verschlechterung des Hormonhaushalts

 

Bevor wir weiter in die Ursachenforschung gehen, lohnt es sich noch einen genauen Blick auf die Datenerhebung zu richten, um die Entwicklung zu verstehen:

Für das aktuellste Update der Studie (2022) wurden die Daten von mehr als 57.000 Männern aus 53 Ländern (Nordamerika, Europa, Asien, Afrika, Südamerika) ausgewertet. Diese Datenbasis wurde aus 223 einzelnen, streng kontrollierten wissenschaftlichen Studien aus den Jahren 1973 bis 2018 aggregiert.

Die Daten stammen fast ausschließlich von Männern aus der normalen, mutmaßlich gesunden Allgemeinbevölkerung. Das waren zum Großteil junge Männer, die Routineproben bei der Musterung fürs Militär abgaben, Studenten, die sich als Kontrollgruppen für Studien zur Verfügung stellten, oder Männer, die kurz davor standen, Väter zu werden, oder es bereits waren (als Beweis ihrer grundsätzlichen Fruchtbarkeit).

Wenn man Übergewicht "herausgerechnet": Übergewicht ist ein hormoneller Brandbeschleuniger. Es gibt neben chronischem Stress und Bewegungsmangel nichts, was den menschlichen Hormonhaushalt so sehr aus dem Gleichgewicht bringt. Bis auf EDCs: Endocrine-Disrupting Chemicals.

Wenn man sich nämlich die Frage stellt, wie sich die hormonelle Entwicklung ohne schlechte Ernährung und Übergewicht entwickelt hätte, kommt man zu folgendem, faszinierenden Ergebnis: Die Spermienquantität hat sich auch bei gesunden, schlanken jungen Männern signifikant reduziert.

Man kann heute also mit Sicherheit sagen:

Unsere toxischere Umwelt (durch Weichmacher und Mikroplastik) führt zu einer allgemeinen hormonellen Verschlechterung der Menschen.

Was endokrine Disruptoren sind und wie sie auf unseren  Körper wirken

Zu diesen Umweltgiften zählen Weichmacher (Phthalate) und Bisphenole (BPA/BPS). Diese EDCs stammen zu einem gigantischen Teil aus Kunststoffen, kommen aber auch in Pestiziden, Kosmetika oder Kassenbons vor. Die weltweite Plastikproduktion ist seit 1950 um das 260-Fache explodiert (von ca. 1,5 Millionen Tonnen auf heute fast 400 Millionen Tonnen jährlich). Damit stieg parallel die allgegenwärtige Belastung durch Mikroplastik und Umweltchemikalien.

Weichmacher und Mikroplastik greifen unser wichtigstes Schutzschild an: den Darm. Aktuelle In-vitro- und Tiermodelle zeigen eindrucksvoll, wie Mikroplastik die Darmbarriere attackiert und durchlässig machen kann. Giftstoffe können so direkt ins Blut gelangen.

Das Immunsystem registriert diese Fremdkörper im Blut sofort und reagiert mit einer chronischen, niedriggradigen Abwehrreaktion. Um diesen permanenten immunologischen Stress zu bewältigen, fährt der Organismus die Produktion von Stresshormonen (Cortisol) nach oben. Hier passiert der hormonelle Crash: Cortisol und Testosteron werden aus denselben Grundbausteinen hergestellt. Der Körper zieht nun kontinuierlich Ressourcen ab, um die Abwehrreaktion aufrechtzuerhalten. Das Testosteron wird regelrecht ausgehungert, und das System verliert an regenerativer Kraft.“

Kunststoffe im Alltag: Pragmatismus statt Panik

 

Es ist heutzutage nahezu unmöglich, unseren Alltag komplett ohne Kunststoffe zu organisieren. Das ist glücklicherweise auch gar nicht notwendig.

Wie so häufig im Leben geht es nicht um blinden Verzicht, sondern darum, die Mechanik einer Gefahr zu verstehen. Kunststoffe werden nämlich erst dann wirklich kritisch und geben ihre Weichmacher und Mikropartikel in bedenklichen Mengen ab, wenn sie mit drei spezifischen Triggern in Berührung kommen:

  • Wärme: Hitze löst die chemischen Bindungen der Weichmacher.

  • Reibung: Mechanische Belastung zerkratzt die Oberfläche und löst das Mikroplastik.

  • Fett: Hormonaktive Chemikalien sind lipophil (fettlöslich) und wandern dadurch direkt in die Nahrung.

Die trockene Plastikverpackung an sich ist also nicht unser Hauptproblem. Die toxische Belastung eskaliert erst dann, wenn wir Kunststoffe erhitzen, sie mechanisch zerkratzen oder fetthaltige Lebensmittel über längere Zeit darin lagern.

Des Weiteren ist die Häufigkeit der Exposition entscheidend: je öfter wir mit einer Plastik-Gefahr in Berührung kommen, desto mehr lohnt es sich, sich über Alternativen Gedanken zu machen. 

Folgende Faktoren haben den größten Einfluss und sollten selten benutzt werden:

1. KunstoffBesteck / -Essensverpackungen

Das ist die wohl offensichtlichste Mikroplastik-Quelle: wenn Lebensmittel in einem Kunststoffbehälter sind (also Tuppern oder Plastikverpackungen) und darin erhitzt oder warmgehalten werden, entsteht die höchste Mikroplastik Exposition und sie gelangt sofort in den Körper.

Glastuppern sind Pflicht.

Essen sollte niemals in einem Plastik-Gefäß in der Mikrowelle erhitzt werden.

Essen sollte so wenig wie möglich in Kunststoffen gelagert werden-

2. Trinkflaschen

Eine Plastikflasche ist Temperaturschwankungen und Reibung ausgesetzt. Der Shaker und die Trinkflasche sind dauernd in Bewegung und werden durchgeschüttelt sowie erwärmt. Glas- oder Edelstahlgefäße sind hier weit überlegen. Die Spülmaschine ist im übrigen ein Mirkoplastik-Gernerator:  durch die Hitze und die Reibung des Wassers wird Plastik von Becher, Shakern oder Flaschen abgelöst.

3. Beschichtete Pfannen

Am besten sind unbeschichtete Pfannen. Edelstahl für den Alltag am praktikabelsten. Bei beschichteten Pfannen ist die Temperatur entscheidend: starke Erhitzung zum Beispiel beim Anbraten von Fleisch sind absolute Mikroplastik-Bomben. Pfannen sollten von Hand gewaschen werden.

4. Schneidebretter

Plastikschneidebretter haben eine sehr hohe Exposition, da das Lebensmittel regelrecht "hineingedrückt" wird. Holz-, Metall- oder Steinunterlagen eigenen sich dafür wesentlich besser, auch wenn es manchmal schwieriger zu reinigen ist.

5. ToGO-Becher und Teebeutel

 

Sobald eine Plastikverbindung im inneren ist und heiße Flüßigkeit zugegeben wird, diffundiert Mikroplastik ins Wasser. Die Beschichtung von TOGO Bechern besteht aus Kunststoff und neue Beobachtungen zeigen hohe Expositionswerte in Teebeuteln.

Fazit:

 

Mikroplastik und Weichmacher sind ein echtes Problem.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie stark sie in unser Hormonsystem eingreifen. Gleichzeitig ist es unvermeidbar, sich Kunststoffen auszusetzen.

Umso wichtiger ist es, dass wir unser Hormonsystem auf den Ebenen, die wir beeinflussen können, möglichst gut unterstützen.

Krafttraining, genug Schlaf, ausreichend Bewegung, kein Übergewicht, kein Rauchen und ein gutes Stressmanagement sind die wichtigsten Faktoren.

Wer die Hauptquellen für die Exposition mit Mikroplastik minimiert, hat schon einen großen Bereich des Machbaren abgedeckt.

Regelmäßiges Schwitzen (Saunieren oder beim Sport) scheint im Übrigen dabei zu helfen, Mikroplastik aus dem Körper abzuleiten.