Die Zukunft der Fitnessstudios

Die Corona Krise wird den Fitnessmarkt verändern

Die Fitnessbranche zählt zu den großen Verlierern der Corona Pandemie. Experten gehen davon aus, dass 2021 jedes vierte Studio von der Insolvenz bedroht ist.

Zu Beginn konnten viele Studios die Schließungen kompensieren, da ein Großteil der Kunden den Beitrag kulanterweise weiterbezahlt hat. Viele sind zu Beginn von einer kurzfristigen Schließung ausgegangen - am Ende waren sämtliche Anlagen fünf Monate zwangsgeschlossen.

Spätestens seit dem Jahreswechsel ist klar, dass nicht absehbar ist, wann es wieder im normalen Gang weitergeht: viele Kunden kündigen spätestens jetzt ihre Verträge. Dazu kommt, dass die Aussicht auf Neukunden alles andere als positiv ist. Keiner weiß, ob es bei einer neuen Infektionswelle wieder zum Shutdown kommt. Niemand weiß, wie der Studioalltag aussehen wird, bzw. ob es Regeln für die Besucheranzahl geben wird.


Das führt dazu, dass Neukunden ausbleiben, weil die wenigsten in dieser unsteten Zeit eine vertragliche Bindung eingehen wollen.

Die Fitnessbranche hat Ihren stärksten Zuwachs an Neukunden in den Monaten Januar bis März und auch wenn viele Studios 2020 durch Rücklagen überstanden haben, ist das Neukunden-Loch 2021 ein harter Schlag.

Aussichten und Chancen

Vertragsmodelle

Fitnessstudios haben seit Jahren mit Preisdumping zu kämpfen.

Diese Problematik entsteht durch das "Geschäftsmodell der Karteileichen". Discounter sowie Premiumstudios verkaufen nämlich deutlich mehr Mitgliedschaften, als sie in der Praxis aktiv betreuen könnten. Sie kalkulieren vorsätzlich mit einer Zahl an inaktiven Kunden die dennoch weiterhin bezahlen und können dadurch den Mitgliedsbeitrag niedriger ansetzen.

Es gibt bereits Geschäftsmodelle bei denen gar kein Mitgliedsbeitrag mehr notwendig ist. Genügend persönliche Daten in der Kombination mit Werbung und Produkplatzierungen reichen aus um hohe Umsätze zu generieren.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Coronakrise diese Entwicklung verändert. Die Bereitschaft sich an langfristige Verträge zu binden ist nicht mehr jedermanns Sache, scheint ein Blick auf den Markt der Mobilfunkanbieter zu verraten.

Es gibt immer mehr Anbieter die "zahle nur was du verbrauchst"-Angebote offerieren - der Transparenz und Fairness willen.

Einige Fitnessanlagen verkaufen schon lange Tageseintritte oder Zehnerkarten. Vermutlich wird in Zukunft stärker auf das besuchsbasierte Abrechnen gesetzt werden müssen.

Preissensibilität

2020 wurden in Deutschland mehr Bio-Produkte gekauft als in jedem Jahr zuvor.

Sich gesund zu ernähren und aktiv und nachhaltig zu leben ist derzeit im Trend und immer mehr Menschen hinterfragen heutzutage ihr Konsumverhalten.

Diese Entwicklung ist ein Hoffnungsschimmer für die Branche - sofern sie entsprechend reagiert.

Der Begriff Fitness muss sich preislich neu definieren: weg von 5,99 € pro Woche hin zum wertvollen und notwendigen Invest für den Körper.

Wellnesshotels haben an dieser Stelle in den letzten Jahren  Pionierarbeit geleistet. Es ist gang und gäbe sich mit einem verlängerten Wellnesswochenende die Energiereserven aufzuladen und dem stressigen Alltag zu entkommen. Gerne wird dafür soviel bezahlt, wie eine Woche Sommerurlaub kosten würde.

Die Fitnessbranche hat das Potential nachzuziehen, sofern sie sich entsprechend positioniert. Es wird dauern, bis es in den Köpfen der Kunden angekommen ist, aber Qualität und Exklusivität kann sich langfristig durchsetzen, das haben Gastronomen, Bekleidungshersteller und Lebensmittelverkäufer bewiesen.

Betreuung

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Fitnessstudios: Betreuung und Vermietung.

Ein "Vermietungsstudio" ist bis zu 24 Stunden am Tag geöffnet und bietet seinen Kunden an, für einen niedrigen Preis die Geräte rund um die Uhr nutzen zu dürfen. Das Modell ist klar definiert: kleiner Preis, große Geräteauswahl, sauberes Studio - im Gegenzug kaum Trainerpräsenz und Betreuung.

Das "Betreuungsstudio" wirbt mit gut ausgebildeten Trainern die für ihre Mitglieder da sind. Darüber hinaus verfügen sie häufig über Wellnessanlagen und rechtfertigen darüber ihren höheren Preis. 

Vermutlich wird der Cut zwischen beiden Modellen in Zukunft noch radikaler ausfallen. Nur wer sich klar positioniert wird am Markt bleiben: entweder billig, groß und unbürokratisch oder nah am Kunden, innovativ und ein Ort zum Wohlfühlen. 

Es ist denkbar, dass die "Betreuungsstudios" zu Therapie- und / oder Wellnesszentren mutieren und sich damit breiter aufstellen. Ebenso ist es denkbar, dass sie abspecken und sich verkleinern um die Kundennähe zu intensivieren. Microgyms mit 50 bis 400 Mitgliedern die auf ein familiäres und persönliches Ambiente setzen, haben sich in den letzten Jahren Marktanteile erkämpft. Gerade im innerstädtischen Gebiet ist dies ein interessantes Modell, da viele Stadtbewohner die Nähe schätzen und nicht mehr in Industriegebiete fahren müssen.