Übergewicht begünstigt Sehnenprobleme

Adipositas und Tendinopathien - Ein oft unterschätzter Zusammenhang

Tendinopathien – schmerzhafte Erkrankungen der Sehnen – begegnen uns auf der Trainingsfläche und in der Therapie immer wieder. Oft gehen sie mit eingeschränkter Belastbarkeit und einer leider langwierigen Heilungsdauer einher. Dabei sehen wir in unserer täglichen Praxis, dass nicht nur die sportliche Überlastung, sondern auch systemische Faktoren wie Adipositas (Übergewicht) eine immer zentralere Rolle spielen (vgl. Deutsche Adipositas Gesellschaft 2023).

 

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse deuten deutlich darauf hin, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) mit einem gesteigerten Risiko für Tendinopathien verbunden ist. Besonders deutlich zeigt sich das bei Sehnen der unteren Extremität, wie etwa der Achillessehne (vgl. Ahn et al. 2023). Studien belegen: Vor allem die Kombination aus erhöhtem Körpergewicht und zentraler Fettverteilung potenziert das Risiko enorm.

Adipositas begünstigt Sehnenprobleme
Adipositas begünstigt Sehnenprobleme

Mechanik vs. Stoffwechsel: Warum leiden die Sehnen?

Ein Erklärungsansatz ist naheliegend: die erhöhte mechanische Belastung. Sehnen müssen bei einem höheren Körpergewicht im Alltag und im Training mehr Kraft abfangen, was langfristig zu strukturellen Veränderungen führen kann.

 

Gleichzeitig – und das ist für unseren holistischen Ansatz entscheidend – rücken metabolische Prozesse in den Fokus. Adipositas geht häufig mit chronisch niedriggradigen Entzündungsprozessen (Low-grade inflammation) sowie Veränderungen im Stoffwechsel einher (vgl. Von He et al. 2022). Diese Faktoren können die Regenerationsfähigkeit der Sehnen massiv beeinträchtigen und die Heilung blockieren.

Was bedeutet das für die Trainingspraxis?

Wir betrachten körperliche Beschwerden nie isoliert. Ein erhöhter BMI ist nicht einfach nur ein Begleitumstand, sondern ein eigenständiger Risikofaktor, den wir in der Trainingsplanung aktiv berücksichtigen. Daraus ergeben sich für unsere gemeinsame Arbeit klare Konsequenzen:

 

  • Spezifische Belastungsprotokolle: Eine zu schnelle Steigerung des Volumens ist Gift für die Sehne. Wir setzen bei Tendinopathien daher gezielt auf Protokolle mit schweren isometrischen Belastungen. Das hilft effektiv bei der akuten Schmerzmodulation und gibt der Gewebestruktur den optimalen, sicheren Reiz, sich wieder anzupassen.

  • Datenbasiertes Monitoring: Weil die systemische und metabolische Erholung bei Sehnenproblemen so entscheidend ist, reicht es nicht, nur auf die bewegten Gewichte zu schauen. Wir beziehen Erholungsparameter wie Schlafqualität oder die Herzratenvariabilität (HRV) in die Bewertung mit ein, um die tagesaktuelle Belastungsverträglichkeit besser einschätzen zu können.

  • Der ganzheitliche Blick: Krafttraining zur Verbesserung der lokalen Belastbarkeit der Sehne geht bei uns Hand in Hand mit Maßnahmen zur langfristigen Gewichtsreduktion und einer nachhaltigen Anpassung des Lebensstils.

Fazit: Belastungssteuerung und Ernährung

Wer Sehnenbeschwerden langfristig in den Griff bekommen und gesund trainieren möchte, muss das große Ganze sehen. Durch die intelligente Steuerung von spezifischen mechanischen Reizen und die Optimierung der systemischen Erholung schaffen wir gemeinsam die Basis für eine schmerzfreie und leistungsfähige Zukunft.